Verlag Positionen, Großstückenfeld 13, D-16567 Mühlenbeck,  Germany

2001 Heft 48: TonSysteme

Stefan Hakenberg

Zusammenspiel:
Komponieren für außereueroupäische Instrumente

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In Alaska hatten Jocelyn Clark und ich Gelegenheit, eine Organisation zu gründen, die auf diese Situation reagiert. Der Name der Organisation ist CrossSound und ihr Zweck ist es, neue Kompositionen für Musiker aus "Südostalaska und darüberhinaus" in Auftrag zu geben. In den dort gelegenen, kleinen und oft abgelegenen Gemeinden finden wir auch Musiker, die asiatische Instrumente spielen, die sich danach sehnen gemeinsam musizieren zu können, für die es aber keine Stücke gibt. In Juneau, Alaskas kleiner Hauptstadt, gibt es zum Beispiel Musiker für westliche Volksinstrumente wie Dulcimer und Mandoline, Koto- und Sitar-Spieler sowie auch solche, die traditionelle westliche Orchesterinstrumente oder Instrumente aus den überall in den USA verbreiteten Blasorchestern spielen.

Eines der jüngsten Stücke, das "CrossSound" in Auftrag gegeben hat, war für die Besetzung Flöte, Horn, Koto, Akkordeon, Erhu, drei Violinen (sehr verschiedener technischer Kapazitäten), Viola, Cello und Kontrabaß. Es gibt nicht viele Komponisten, die bereits für alle diese Instrumente geschrieben haben. Die Komponistin, die bereit war, sich dieser besonderen Herausforderung zu stellen, ist Hiroko Ito. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie weder für Akkordeon noch für Erhu geschrieben, so daß sie diese Instrumente zunächst studieren mußte, bevor sie mit der Komposition beginnen konnte. Zu einem solchen Studium gehört das Sammeln technischer Daten, wie Tonumfänge, Register, spieltechnische Möglichkeiten, Längen der Bögen oder des Atems, mögliche Dynamik, usw. Der interessantere und inspirierendere Teil der Annäherung an ein neues Instrument ist jedoch die Begegnung mit seiner Geschichte und seinem kulturellen Umfeld. Persönlich ziehe ich es vor, mir darüber, wenn möglich, etwas vom Musiker direkt erzählen zu lassen. Denn in seiner Aufführung werden mein neues Stück und die Traditionen seines Instrumentes zusammenwirken, Wirklichkeit werden. Der Spieler und sein Instrument bilden eine symbiotische Einheit, in der kein Teil ohne den anderen sein kann. Er ist ein Produkt der Tradition seines Instruments und der darauf gespielten Musik. Indem er neue Stücke darauf spielt, verjüngt und erweitert er nicht nur dessen Repertoire, sondern erneuert auch dessen Interpretationstraditionen.

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